patagonien 08-09
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Mototour Dezember 2008 - Januar 2009

Valparaiso - Camino Austral - Routa 40 -  Torres del Paine - Ushuaia

Die letzten Tage in Valplaraiso

Posted by Administrator on 26th January, 2009
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11.01.09 Am späten Abend steht auf einmal ein Pick-up mit einer weiss-blauen BMW auf der Ladefläche beim Hostel, daneben steht Joël. Er konnte es nicht lassen und ist trotz angeschlagener Kardanwelle weiter Richtung Norden gefahren. Auf dem Rückweg, 300km von Valparaiso entfernt hat die Kardanwelle schließlich den Geist aufgegeben und das Motorrad ist ohne vortrieb auf der Autobahn ausgerollt. Ein Abschleppwagen hat Joël und sein Bike bis zur nächsten Mautstelle gebracht. Kurze Zeit später ist er auf einen hilfsbereiten Motorradfahrer getroffen mit dem er sich zusammen auf die Suche nach einem Pick-up Fahrer gemacht hat der bis Valparaiso fährt und bereit ist Joël und sein Bike mit zunehmen. Es hat einige Zeit gedauert, da die meisten Pick-ups voll beladen unterwegs sind. Schließlich trifft er aber auf einen hilfsbereiten Avocadofarmer dessen Ladefläche leer ist und der bereit ist einen Umweg von 120km zu machen, da er eigentlich nur bis kurz vor Valparaiso fahren muss.  Als das kaputte Bike abgeladen ist, laden wir Joëls Retter noch auf ein Bier ein und bei einem geselligem Gespräch erzählt er uns, dass er den grossteil der Avocados die er zweimal im Jahr erntet nach Frankreich exportiert. Ich weiss nicht mehr genau welche Menge er erntet aber es wahren viele viele Tonnen. In Zukunft werde ich immer an den sympathischen Chilenen denke wenn ich das Fruchtfleisch einer Avocado auf meiner Zunge zergehen lasse.  Es wahr schon spät als wir uns verabschiedeten und Philippe mit dem ich seit Tagen keinen Kontakt mehr hatte und der wie Joël in den Norden gefahren ist um die Rallye Dakar zu verfolgen war immer noch nicht eingetroffen. 

12.01.09  Ich lag noch im Bett als ich den typischen Klang eines Boxermotors auf der Strasse hörte. Es war tatsächlich Philippe, der gerade rechtzeitig aufkreuzte um eine Tasse Café zu trinken und anschließend Joëls antriebslose Motorrad in den Hafen zu schleppen. Nachdem alles unsere Bikes in einem Dépôt im Hafen abgestellt waren, sind wir zur Aduana. Die Beamtin war etwas geschockt angesichts der vielen Arbeit die Enzo, unser fleißiger Helfer ihr präsentierte. Musste sie doch für alle neun Bikes jeweils ein Formular ausfüllen und abstempeln. Mit viel Charme überredet Enzo die Zollbeamtin diese ungewohnt viele Arbeit noch heute zu erledigen. Wir würden um drei Uhr wieder da sein um die Papiere abzuholen.  Als  um drei Uhr wieder beim Zoll ankamen, übergab uns ein Kollege unsere Sachbearbeiterin unsere Papiere. Leider mussten wir feststellen, dass bei einem der Motorräder die falsche Fahrgestellnummer im Formular eingetragen war. Genaugenommen war nur eine Zahl falsch. Der Beamte weigerte sich aber die Arbeit seiner Kollegin zu verbessern, wir müssten warten bis sie zurückkommt. Um vier Uhr kam die Beamtin schließlich aus ihrer Mittagspause, die eigentlich nur bis drei Uhr dauert und verbesserte den Fehler handschriftlich und einem zusätzlichem Stempel. Mit den Papieren ging es dann zurück in den Hafen wo wir größtenteils darauf warteten, dass Enzo von einem Büro ins andere lief um immer wieder neue Stempel und Papiere abzuholen. Problematisch ist, dass zwischen Import- und Exporthafen Zugleise sind, die man nur alle zwanzig Minuten für eine Minute überqueren kann.  Abends um acht kamen wir schließlich wieder erschöpft im Hostel an. 

13.01.09  Heute morgen können wir ausschlafen, dann verabschiede ich Joachim und seine Freundin, den ich schon vor zwanzig Monaten in Malmedy beim Start seiner Weltreise getroffen hatte. Die Mechaniker eines KTM-Teams der Rallye Dakar, konnten ihm helfen einige kleine mechanische Probleme seiner Machine zu reparieren und er bekam ein 18" Reifen geschenkt. Am Nachmittag ging es dann wieder in den Hafen um endlich unsere Motorräder in den Container zu verstauen. 

15.01.09 Zusammen mit Martina erstellen wir eine Einkaufsliste um am Abend ein typisches chilenisches Asado zu machen. Christiane, Jens und Thorsten, drei Motorradreisende aus Dresden die von hier aus zu einer zweimonatigen Reise starten, machen sich auf den Weg um ein riesiges Stück Fleisch einzukaufen. Am Abend grillt Enzo das Fleisch, dass lediglich mit etwas grobem Salz gewürzt wird. Nach für europäische Verhältnisse ewigen Zeit wird das Fleischstück vom der Glut genommen und zerschnitten.  Selten habe ich so köstlich gegessen. Aber auch das chilenische Bier schmeckt heute extra gut und wir tauschen bis spät in die Nacht Reisegeschichten aus. Christiane war mittlerweile die Lust am Reisen etwas vergangen angesichts unserer Geschichten über Stürze, Durchfall, kalte Duschen und schmutzige Toiletten. 

16.01.09 Einer nach dem anderen verabschiedet sich, zuerst Joël und Philippe die heute über New York nach Paris fliegen, dann die drei Dresdener die heute endlich zu ihrer Reise aufbrechen, so dass ich beinahe ganz alleine übrigbleibe. Der Hof der Villa Kunterbunt der all die Tage immer voll mit Motorrädern war ist jetzt ungewohnt leer. Aber es dauert nicht lange bis wieder neue Reisende eintreffen. Zwei Kanadier die auf ihren KLR650 von Toronto bis hierher gefahren sind und unterwegs den Columbianer Juan-Carlos mit seiner Freundin kennengelernt und mitgebracht haben. Am späten Abend kommt dann auch noch René, ein Luxemburger der vor drei Monaten in Columbien gestartet ist in der Villa an auch er ist in Begleitung eines Bikers aus Spanien. Auch an meinem letzten Abend in Vaplaraiso werden wieder viele Reisegeschichten und Informationen ausgetauscht und wir sitzen noch lange im wieder gut gefülltem Hof des Hostels. 

17.01.09 Ich verabschiede mich von René, all den anderen Reisenden und ganz besonders von Martina und Enzo ohne der ganze Transport und die Behördengänge sicherlich zur Qual geworden währen. Mit dem Taxi geht es zum Flughafen nach Santiago wo ich wieder meinen qualvollen vierzehnstündigen Flug nach Madrid antrete. Nach weiteren 1 ½ Stunden von Madrid nach Luxemburg werde ich von einem typisch nassgrauem Luxemburg aber auch von den strahlenden Gesichtern meiner Frau und meiner Tochter empfangen.

Last changed: 26th January, 2009 at 23:03

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