south america 12-13
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Die dritte Woche

Posted by Administrator on 25th January, 2013
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Was ich euch bis jetzt verschwiegen habe ist, dass ich auf der unglaublich schlechten Wellblechpiste von Uyuni zum Salar plötzlich ein lautes metalisches Geräusch vernahm. Im ersten Moment schossen mir all die fürchterlichen Geschichten über Rahmenbrüche von anderen Reisenden durch den Kopf, die ich in Reiseberichten und Foren gelesen hatte. Die Yamaha Super Ténéré ist berüchtigt für ihre Anfälligkeit von Rahmenbrüchen. Ich habe gleich die typischen Schwachpunkte am Rahmen kontrolliert, aber keinen Riss festgestellt. Dann sah ich mit Schrecken, dass das hintere Federbein meines Motorrads unterhalb der Federhalterung gebrochen ist. Glücklicherweise hat es sich aber so auf das Gestänge der Schwinge abgestützt, dass das Heck jetzt einige Zentimeter tiefer lag und der Federweg auf weinige Zentimeter begrenzt war. Trotzdem wagte ich es so weiter bis zum Salar zu fahren. Dieses Problem ist auch ein Grund, warum ich mich nicht weiter alleine auf den teils überschwemmten Salar gewagt habe.

Nachdem ich an Sylvester ein bisschen durch Sucre gebummelt bin, habe ich mich auf mein Zimmer verkrümmelt und habe den Start ins neue Jahr verschlafen. Ich bekam mich einfach nicht mehr motiviert nochmals raus in den Trubel zu gehen. Als ich morgens um acht ausgeschlafen aufwachte und meine Ohrstöpsel aus den Ohren zog, zogen immer noch Blaskapellen durch die Strassen, es waren immer noch viele Leute gut gelaunt auf den Strassen unterwegs, wenn auch viele mindestens leicht angetrunken.
Irgendwie war mir noch nicht nach motorradfahren. Die Strasse nicht mit betrunkenen Autofahrern zuteilen und die gute Internetverbindung im Hostel waren auch Argumente, die mich dazu bewegten einen weiteren Tag in Sucre zu bleiben.
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück war ich aber wieder soweit weiterzufahren. Mit Hilfe eines Angestellten des Hostels schob ich das schwer beladene Motorrad von dem zweiten Innehof durch einen schmalen Gang in den ersten Innenhof und von da auf die Strasse. Wegen des gebrochenen Federbeins war jetzt der Seitenständer knapp zu lang so, dass ich mir immer eine Stelle suchen musste, wo das Vorderrad höher stand so, dass das Motorrad nicht umkippte.

Erst mal brauchte ich Benzin und die Tankstelle war auch schnell gefunden aber sie war geschlossen. Dann quer durch den Stadtverkehr auf die andere Seite der Stadt zu einer anderen Tankstelle. Die wollte mir aber kein Benzin verkaufen, da ich Ausländer bin. In Bolivien wird das Benzin vom Staat subventioniert. Da es wenig Sinn macht, dass der Staat den ausländischen Touristen das Benzin subventioniert, kostet es für Ausländer knapp das doppelte und es ist ein bisschen mehr Aufwand für den Tankwart, da er einigen Papierkram für die Extraverrechnung erledigen muss. Um sich diese Mühe zu sparen, schicken viele Tankwarte mich einfach zum nächsten Kolleegen. An der vierten Tankstelle bekam ich schliesslich Benzin zum Touripreis und konnte mich so endlich auf den Weg nach Potosi machen.

Von Sucre nach Cochabamba führt erst eine schöne kurvige Asphaltstrasse durch die Berge, dann wird die Strasse sogar nagelneu und auch die Gengend schöner. Es geht an Bergen, kleineren Salzseeen und an Vicuniaherden vorbei bis, die Strasse umgeleitet wird. Ab hier, sind die Arbeiten an der neuen Strasse noch nicht fertig. Die Umleitung führt in ein breites teilweise trocknes Flussbett. Immer wieder gibt es Flussdurchfahrten, die zwar nervenaufreibend aber glücklicherweise doch einfach zu bewältigen sind. Ich tuckere mit mit höchsten 30km/h mit meinem geschundenen Motorrad mit nur noch drei zentimeter Federweg am Hinterrad über die Geröllpiste die kein Ende zu nehmen scheint. Langsam komme der Staubfahnen eines LKW immer näher und fahre schliesslich eine kleine Ewigkeit im Staub bis sich eine Möglichkeit zum Überhohlen bietet. Einige Kilometer später sehe ich einen VW Camper mit schweizer Kennzeischen auf der Seite stehen. Bleibe aber nicht stehen, da ich nicht ein zweites Mal den Staub des Lastwagens schlucken will. Nach ca. 30kilometer kommt schliesslich wieder eine schöne Asphaltstrasse die zu meiner Entäuschung aber schon bald wieder zur Offroadpiste wird. Im Ausgang des kleinen Städtchens Aiquile komme ich an eine Mautstelle, wo mir der Weg von einer Eisenkette versperrt wird.
Beinahe alle Strassen in Bolivien sind Mautstrassen, glücklicherweise für mich, müssen Motorradfahrer aber keine Maut bezahlen. Dies gilt auch für Peru und Argentinien, nur in Chile muss ich zwischen einem und zwei Euro bezahlen.
So wird auch hier die Kette runtergelassen und nach den Strapazen der letzen Kilometer komme ich auf eine wunderschöne Pavéstrasse für die ich gerne ein Paar Bolivianos bezahlt hätte. Die Pflastersteine sind schön regelmässig nebeneinander angebracht, eine Arbeit die nur per Hand gemacht werden kann. Ab einer gewissen Geschwindigkeit spürt man das Holpern kaum mehr und das Motorrad gleitet dahin an vier Meter hohen blühenden Kakteeen vorbei und steigt in schwungvollen Kurven immer höher in die Berge. Es tut dem Auge richtig gut, nach den eintönigen grautönen auf viertausend Meter, jetzt auf 2500 wieder grüne Täler zu sehen. Nach gut 60km stösst die Pavéstrasse schliesslich an eine viel befahrenen Asphaltstrasse, die nach Cochabamba führt, wo ich mich im Dunkeln durch das Verkehrschaos wühle, bis mich das GPS schliesslich an ein recht Gutes aber bezahlbares Hotel bringt.

Über Facebook hat mich die Luxemburgerin Martine, die in Cochabamba ein Hilfsprojekt leitet, eingeladen bei ihr vorbei zu schauen. Leider war Martine aber nicht in der Stadt zu der Zeit wo ich da war so, dass unser blind date leiter nicht zu stande kam. [Infos über das Projekt kommen noch]

Cochabamba ist mit 700 000 Einwohneren die viertgrösste Stadt Boliviens und liegt in einem fruchtbaren Tal zwischen Bergen eingebettet. Man sagt in Cocha hersche ewiger Frühling und in der Tat ist das Klima, trotz einer Höhe von 2500m sehr angenehm und die Stadt sehr grün. Cristo de la Concordia, eine riesige Jesusstatue, trohnt auf einem Berg hoch über der Stadt und ist sogar grösser als die in Rio de Janeiro.

Nach zwei Tagen fahre ich weiter in Richtung La Paz. Die Asphaltstrasse schlengelt sich durch die Berge auf teilweise über 4000m hoch. Am späten Nachmittag komme ich in eine Regenschauer. 50km vor La Paz quartiere ich mich in ein einfaches Hostel ein, was praktischerweise auch über ein Restaurant und ein Mini-Market verfügt. Gut erholt stürze ich mich  am nächsten Morgen ins Verkehrschaos rund um La Paz, ohne aber ins Zentrum zu fahren sondern ich fahre gleich weiter Richtung Titicacasee.

Bei San Pedro de Tiquina ist der See durch die Copacabanahalbinsel in zwei Hälften getrennt. Die ca 200m breite Verbindung der zwei Hälften muss ich mit einer kleinen Fähre zur Halbinsel übersetzen. Auf die kleinen Fähren passen zwei bis drei Autos und werden von einem Aussenbordmotor angetrieben. Der Boden auf dem die Fahrzeuge stehen besteht aus Holzplanken zwischen denen bis zu 15cm breiten Spalte klaffen. Für ein Auto kein Problem aber für mein Motorrad. Vorsichtig folge ich zwei Autos auf die Fähre und versuche nicht zwischen die Planken zu fallen, was mir auch gelingt. Dann wird mir bewusst, dass ich wohl besser rückwerts auf die Fähre gerollt währe, da ich am anderen Ufer den selben Weg, wie ich aufs Boot gefahren bin wieder runter fahren muss und dabei die schwere Fuhre rückwärts bergauf schieben muss. Natürlich werden die Fahrzeuge auf dem schwankenden Schiff nicht festgezurt. Da wegen dem kaputten Federbein mein Seitenständer zu lange ist, muss ich die ganze Zeit der Überfahrt auf dem Motorrad sitzen bleiben. Mit ein bisschen Hilfe vom Fährmann, schaffe ich es dann trotzdem relativ einfach von Bord.
 
Wieder gerate ich in ein Regenschauer und komme durchnässt in Copacabana am Lago Titicaca an und steige gleich im ersten Hotel ab, obwohl es relativ teuer ist...

Last changed: 25th January, 2013 at 19:03

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